|
Rätsel raten und dabei vom Text sich raten lassen: Spielerisch – pragmatisch – kreativ – philologisch
- „Würfelwort” ist eine in der Forschung gebrauchte Übersetzung von „bickelwort” aus dem Literaturexkurs Gottfrieds. Über die zentrale Bedeutung dieser bekannten und zugleich unerkannten Metapher ist man sich weithin einig.
- Frustrierend genug hat man zwar die Texte der berühmtesten Dichter des 12. Jahrhunderts - einer Blütezeit der Dichtung – als Handschriften vor Augen; man weiß, dass Literaturexkurs und Parzivalprolog miteinander korrespondieren; es ist ziemlich sicher, dass sich beide Dichter in einer nicht nur literaturtheoretisch (formalen), sondern auch inhaltlich sehr wichtigen Sache miteinander erbittert bekämpft haben; man kann aber trotzdem nicht sagen, warum und worüber man stritt: Beide Texte gaben bisher ihr Geheimnis nicht preis. Ein Schlüssel kann hier das „bickelwort” Gottfrieds von Straßburg und der Parzivalprolog sein!
- „Philologen” haben in der Regel ein ausgeprägtes Methodenbewusstsein. Es steht u.U. einem subtilen Gefühl für den Kontext von „Sachen und Sätzen”, und dem Erkennen von Realien – auch in einem literarischen Text - im Wege.
- Insofern ist es nicht erstaunlich, wenn man sich in der Forschung bei einem so kurios klingenden Wort wie „bickel” – schon vom Klang her signalisiert es etwas „Bauchig/ Buckeliges” (biuchel = Bäuchlein”!) oder auch „Spitziges” (wie in Pickel) – mit der Erklärung begnügt hat, es handele sich hierbei um ein „Artefakt”, nämlich den regelmäßigen, „sechsseitig gemachten” Würfel (tessera). Daß es sich – schon von der Klanggestalt des Wortes her gesehen - um eine falsche Fährte handeln könne, hat man eben nicht gehört!
- Nicht zuletzt wurde aufgrund der sprachlich eindrucksvollen Klanggestalt von „Bickel” auf akustischem Wege die Erinnerung an ganz bestimmte, sonderbare „Würfel” aus der eigenen Jugendzeit wachgerufen.
- Mit Hilfe der wiederentdeckten Bickel (und ihrer Spielregeln!), ihrem Aussehen, ihrer Herkunft und ihrer Funktion gelang es, den hintergründigen Sinn der Rätselbilder des Parzivalprologes zu entschlüsseln.
|