Start Methode
Methode PDF Drucken E-Mail

Rätsel raten und dabei vom Text sich raten lassen:
Spielerisch – pragmatisch – kreativ – philologisch

  1. „Würfelwort” ist eine in der Forschung gebrauchte Übersetzung von „bickelwort” aus dem Literaturexkurs Gottfrieds. Über die zentrale Bedeutung dieser bekannten und zugleich unerkannten Metapher ist man sich weithin einig.
  2. Frustrierend genug hat man zwar die Texte der berühmtesten Dichter des 12. Jahrhunderts - einer Blütezeit der Dichtung – als Handschriften vor Augen; man weiß, dass Literaturexkurs und Parzivalprolog miteinander korrespondieren; es ist ziemlich sicher, dass sich beide Dichter in einer nicht nur literaturtheoretisch (formalen), sondern auch inhaltlich sehr wichtigen Sache miteinander erbittert bekämpft haben; man kann aber trotzdem nicht sagen, warum und worüber man stritt: Beide Texte gaben bisher ihr Geheimnis nicht preis. Ein Schlüssel kann hier das „bickelwort” Gottfrieds von Straßburg und der Parzivalprolog sein!
  3. „Philologen” haben in der Regel ein ausgeprägtes Methodenbewusstsein. Es steht u.U. einem subtilen Gefühl für den Kontext von „Sachen und Sätzen”, und dem Erkennen von Realien – auch in einem literarischen Text - im Wege.
  4. Insofern ist es nicht erstaunlich, wenn man sich in der Forschung bei einem so kurios klingenden Wort wie „bickel” – schon vom Klang her signalisiert es etwas „Bauchig/ Buckeliges” (biuchel = Bäuchlein”!) oder auch „Spitziges” (wie in Pickel) – mit der Erklärung begnügt hat, es handele sich hierbei um ein „Artefakt”, nämlich den regelmäßigen, „sechsseitig gemachten” Würfel (tessera). Daß es sich – schon von der Klanggestalt des Wortes her gesehen - um eine falsche Fährte handeln könne, hat man eben nicht gehört!
  5. Nicht zuletzt wurde aufgrund der sprachlich eindrucksvollen Klanggestalt von „Bickel” auf akustischem Wege die Erinnerung an ganz bestimmte, sonderbare „Würfel” aus der eigenen Jugendzeit wachgerufen.
  6. Mit Hilfe der wiederentdeckten Bickel (und ihrer Spielregeln!), ihrem Aussehen, ihrer Herkunft und ihrer Funktion gelang es, den hintergründigen Sinn der Rätselbilder des Parzivalprologes zu entschlüsseln.