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Ist zwîvel herzen nâchgebûr, daz muoz der sêle werden sûr. gesmaehet unde gezieret ist, swâ sich parrieret unverzaget mannes muot, als agelstern varwe tuot. der mac dennoch wesen geil: wand an im sint beidiu teil, des himels und der helle. der unstaete geselle hât die swarzen varwe gar, und wirt och nâch der vinster var: sô habet sich an die blanken, der mit staeten gedanken. diz vliegende bîspel ist tumben liuten gar ze snell sine mugens niht erdenken: wand ez kann vor in wenken rehte alsam ein schellec hase. zin anderhalp ame glase geleichet, und des blinden troum. die gebent antlützes roum, doch mac mit staete niht gesîn dirre trüebe lîhte schin: er machet kurze fröude alwar. wer roufet mich dâ nie kein hâr gewuohs, inne an mîner hant? der hât vil nâhe griffe erkant. sprich ich gein den vorchten och, daz glîchet mîner witze doch. wil ich triwe vinden aldâ si kann verswinden, als viur in dem brunnen unt daz tou von der sunnen? ouch erkante ich nie sô wîsen man, ern möhte gern kunde hân, welher stiure disiu maere gernt und waz si guoter lêre wernt. dar an sie nimmer des verzagent, beidiu si vliehent unde jagent, si entwîchent unde kêrent, si lasternt unde êrent. swer mit disen schanzen allen kann, an dem hât witze wol getân der sich niht versitzet noch vergêt und sich anders wol verstêt. valsch geselleclicher muot ist zem hellefiure guot, und ist hoher werdekeit ein hagel. sîn triuwe hât sô kurzen zagel, daz si den dritten biz niht galt, fuor si mit bremen in den walt. Dise manger slahte underbint jedoch niht gar von manne sint. für diu wîp stôze ich disiu zil. swelhiu mîn râten merken will, diu sol wissen war si kêre ir prîs und ir êre, und wem si dâ nâch sî bereit minne und ir werdekeit, so dâz si niht geriuwe ir kiusche und ir triuwe. vor gote ich guoten wîbe bite, daz in rehtiu mâze volge mite. scham ist ein slôz ob allen siten: ich endarf in niht mêr heiles biten. diu valsche erwirbet valschen pris. wie staete ist ein dünnes îs, daz ougestheize sunnen hât? ir lop vil balde alsus zergât. manec wîbes schoene an lobe ist breit: ist dâ daz herze conterfeit, die lob ich als ich solde daz safer ime golde. ich enhân daz niht für lîhtiu dinc, swer in den cranken messinc verwurket edeln rubîn und al die âventiure sîn (dem glîche ich rehten wîbes muot). diu ir wîpheit rehte tuot, dane sol ich varwe prüeven niht, noch ir herzen dach, daz man siht. ist si inrehalp der brust bewart, so ist werder prîs dâ niht verschart. Solt ich nu wîp und man ze rehte prüeven als ich kann, dâ füere ein langes maere mite. nu hoert dirre âventiure site. diu lat iuch wizzen beide von liebe und von leide: fröud und angest vert tâ bi. nu lât mîn eines wesen drî der ieslîcher sunder phlege daz mîner künste widerwege: dar zuo gehôrte wilder vunt, op si iu gerne taeten kunt daz ich iu eine künden wil. si heten arbeite vil. ein maere will i’ u niuwen, daz seit von grôzen triuwen, wîplîches wîbes reht, und mannes manheit alsô sleht, diu sich gein herte ni gebouc. sîn herze in dar an niht betrouc, er stachel, swa er ze strîte quam, sîn hant dâ sigelîchen nam vil manegen lobelîchen prîs. er küene, traeclîche wîs, (de helt ich alsus grüeze) er wîbes ougen süeze, unt dâ bî wîbes herzen fluht. vor missewende ein wâriu fluht. den ich hie zuo hân erkorn, er ist maereshalp noch ungeborn, dem man dirre âventiure giht, und wunders vil des dran geschiht. |
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt, das muß der Seele sauer werden. Schande und Schmuck sind beieinander, wo eines Mannes unverzagter Mut konfus gemu stert gehen will, wie Elsternfarben. Trotz- dem, der kann doch noch glücklich sein, denn an ihm ist etwas von beiden: vom Himmel und der Hölle. Wer sich mit der Treulosigkeit zusammentut, der hat die schwarze Farbe ganz und muß auch nach der Finsternis geraten. Und so hält der, der fest steht und treu, es mit den Weißen. Dieses fliegende Beispiel ist zu flink für dumme Menschen, sie bringen es nicht fertig, ihm nachzudenken; denn es kann vor ihnen Haken schlagen grade so wie ein verstörter Hase. Zinn, hinten am Glas, macht trügerisch tanzende Lichter und ebenso des Blinden Traum: Die geben einem die Haut, die obendrauf schwimmt auf den Bildern. Doch kann dieses Stumpfe, leichte Scheinen nicht in Festig- keit dauern: es macht ein kurzes Glück, das ist wohl wahr. Wer rupft mich da, wo mir kein Haar gewachsen ist, innen an meiner Hand? Der kennt die Kunst der ganz besonders feinen Griffe. Wenn ich vor solchen Nö- ten „aua“ schreie – das sieht dem Geist, den ich begreife, ähnlich. Will ich denn dort die treuen Gewißheiten finden, wo sie gekonnt verschwinden wie Feuer in brandendem Wasser, wie Tau von der Sonne? Immerhin, ich kenne niemand, mag er noch so klug sein, der nicht gern erführe, was diese Geschichte von den Ihren for- dert und was an guter Lehre sie geben will. Was das betrifft, ist sie ganz unbe- kümmert: mal flieht sie, mal stürmt sie nach vorn, sie zieht sich zurück, sie kehrt sich um; die einen stürzt sie in Schande, die anderen hebt sie empor. Wer da noch mithalten kann bei sämtlichen Kadenzen, den hat die Weisheit lieb – das ist der, der sich nicht verhockt und nicht verrennt, er macht was andres: Er versteht sich drauf. Ein Mut, der an den Seinen zum Ver- räter wird, ist gut fürs Höllenfeuer und ist ein Hagelschlag für allen hohen Wert und Adel. Seine Treue hat einen allzu kur- zen Schwanz: So konnte sie nicht einmal jeden dritten von den Stichen rächen, als sie ins Holz fuhr mit den Schnaken. Wenn ich hier mancherlei Dinge aus- einanderklaube, so spreche ich nicht al- lein von Männern. Auch den Frauen stecke ich die Bahn ab: Die aufpassen will, wenn ich ihr rate, wird dann wissen, wohin sie zielen soll mit ihrem Glanz und ihrer Ehre, und auch, für wen sie nachher ihre Liebe und ihren Adel bereithalten soll, so dass ihre Keuschheit, ihre Treue sie nicht reut. Vor Gott bitte ich darum, dass die guten Frauen Modestia in ihr Gefolge nehmen möchten. Schamgefühl schließt alle guten Sitten in sich ein: Es ist nicht nötig, ihnen noch mehr und anderen Segen zu erbitten. Eine Verräterin erwirbt sich verräterischen Ruhm. Wie treu ist denn dünnes Eis in der augustheißen Sonne? Genauso zergeht auch ihr Lob sehr schnell. Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gefeiert. Wenn aber das Herz bloß nachgemacht ist, dann lobe ich sie so, wie ich ein Stückchen Glasfluß, in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre. Es ist kein leichtes Ding, so meine ich, wenn man in schwaches Messing den edlen Ru- einfasst und alle Wunder, die er hat - dem vergleiche ich die Seele einer rechten Frau. Eine, die ihr Frausein in der rechten Weise lebt, deren Farbe will ich nicht prü- fen und nicht ihres Herzens Decke, die man sieht. Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann, so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben. Müßte ich nun Weib und Mann vor euch prüfen, wie ich es wohl kann, dann kämen wir mit Reden lange nicht zu einem Ziel. Hört lieber, was es mit dieser Geschichte auf sich hat: Sie wird euch Glück und Leiden zeigen, Freude geht mit ihr und Angst. Stellt euch nun vor, ich einer wäre drei, und jeder einzelne von denen hätte so viel Kunst, wie ich alleine auf die Waage bringe: Man müßte dazu noch wilde Erfindung tun, bevor sie es versuchen könnten, euch zu berichten, was ich ganz alleine euch be- richten will – den dreien würde es sauer werden. Eine Geschichte will ich euch neu vor- tragen, die erzählt von großer Treue, von weiblichem Weibestum und von eines Mannes Mannheit, die so gerade war, dass sie sich vor Gewalt nie bog: Da hat sein Herz ihn nicht enttäuscht. Er war ein Stahl in jedem Streit, wo immer er auch hinkam. Seine Hand hat mit dem Recht des Siegers manche Ehre und viel Ruhm an sich genommen; kühn und spät erst weise war der Held, den ich so begrüße. Süßigkeit in Frauenaugen, doch Siechtum in ihren Herzen war er und eine wahre Zufluchtstätte vor dem Bösen. Den ich hier im Auge habe, der ist von der Ge- schichte her noch ungeboren, von dem man diese Abenteuer sagt und die vielen Wunder, die da geschehen werden |