Der Prolog PDF Drucken E-Mail

Der Prolog im Original und in einer traditionellen Übersetzung

I. Buch Eine traditionelle Übersetzung:
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Ist zwîvel herzen nâchgebûr,
daz muoz der sêle werden sûr.
gesmaehet unde gezieret
ist, swâ sich parrieret
unverzaget mannes muot,
als agelstern varwe tuot.
der mac dennoch wesen geil:
wand an im sint beidiu teil,
des himels und der helle.
der unstaete geselle
hât die swarzen varwe gar,
und wirt och nâch der vinster var:
sô habet sich an die blanken,
der mit staeten gedanken.
diz vliegende bîspel
ist tumben liuten gar ze snell
sine mugens niht erdenken:
wand ez kann vor in wenken
rehte alsam ein schellec hase.
zin anderhalp ame glase
geleichet, und des blinden troum.
die gebent antlützes roum,
doch mac mit staete niht gesîn
dirre trüebe lîhte schin:
er machet kurze fröude alwar.
wer roufet mich dâ nie kein hâr
gewuohs, inne an mîner hant?
der hât vil nâhe griffe erkant.
sprich ich gein den vorchten och,
daz glîchet mîner witze doch.


wil ich triwe vinden
aldâ si kann verswinden,
als viur in dem brunnen
unt daz tou von der sunnen?
ouch erkante ich nie sô wîsen man,
ern möhte gern kunde hân,
welher stiure disiu maere gernt
und waz si guoter lêre wernt.
dar an sie nimmer des verzagent,
beidiu si vliehent unde jagent,
si entwîchent unde kêrent,
si lasternt unde êrent.
swer mit disen schanzen allen kann,
an dem hât witze wol getân
der sich niht versitzet noch vergêt
und sich anders wol verstêt.
valsch geselleclicher muot
ist zem hellefiure guot,
und ist hoher werdekeit ein hagel.
sîn triuwe hât sô kurzen zagel,
daz si den dritten biz niht galt,
fuor si mit bremen in den walt.
Dise manger slahte underbint
jedoch niht gar von manne sint.
für diu wîp stôze ich disiu zil.
swelhiu mîn râten merken will,
diu sol wissen war si kêre
ir prîs und ir êre,
und wem si dâ nâch sî bereit
minne und ir werdekeit,




so dâz si niht geriuwe
ir kiusche und ir triuwe.
vor gote ich guoten wîbe bite,
daz in rehtiu mâze volge mite.
scham ist ein slôz ob allen siten:
ich endarf in niht mêr heiles biten.
diu valsche erwirbet valschen pris.
wie staete ist ein dünnes îs,
daz ougestheize sunnen hât?
ir lop vil balde alsus zergât.
manec wîbes schoene an lobe ist breit:
ist dâ daz herze conterfeit,
die lob ich als ich solde
daz safer ime golde.
ich enhân daz niht für lîhtiu dinc,
swer in den cranken messinc
verwurket edeln rubîn
und al die âventiure sîn
(dem glîche ich rehten wîbes muot).
diu ir wîpheit rehte tuot,
dane sol ich varwe prüeven niht,
noch ir herzen dach, daz man siht.
ist si inrehalp der brust bewart,
so ist werder prîs dâ niht verschart.
Solt ich nu wîp und man
ze rehte prüeven als ich kann,
dâ füere ein langes maere mite.
nu hoert dirre âventiure site.
diu lat iuch wizzen beide
von liebe und von leide:


fröud und angest vert tâ bi.
nu lât mîn eines wesen drî
der ieslîcher sunder phlege
daz mîner künste widerwege:
dar zuo gehôrte wilder vunt,
op si iu gerne taeten kunt
daz ich iu eine künden wil.
si heten arbeite vil.
ein maere will i’ u niuwen,
daz seit von grôzen triuwen,
wîplîches wîbes reht,
und mannes manheit alsô sleht,
diu sich gein herte ni gebouc.
sîn herze in dar an niht betrouc,
er stachel, swa er ze strîte quam,
sîn hant dâ sigelîchen nam
vil manegen lobelîchen prîs.
er küene, traeclîche wîs,
(de helt ich alsus grüeze)
er wîbes ougen süeze,
unt dâ bî wîbes herzen fluht.
vor missewende ein wâriu fluht.
den ich hie zuo hân erkorn,
er ist maereshalp noch ungeborn,
dem man dirre âventiure giht,
und wunders vil des dran geschiht.
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,
das muß der Seele sauer werden. Schande
und Schmuck sind beieinander, wo eines
Mannes unverzagter Mut konfus gemu
stert gehen will, wie Elsternfarben. Trotz-
dem, der kann doch noch glücklich sein,
denn an ihm ist etwas von beiden: vom
Himmel und der Hölle. Wer sich mit
der Treulosigkeit zusammentut, der hat
die schwarze Farbe ganz und muß auch
nach der Finsternis geraten. Und so hält
der, der fest steht und treu, es mit den
Weißen.
Dieses fliegende Beispiel ist zu flink
für dumme Menschen, sie bringen es nicht
fertig, ihm nachzudenken; denn es kann
vor ihnen Haken schlagen grade so wie
ein verstörter Hase. Zinn, hinten am
Glas, macht trügerisch tanzende Lichter
und ebenso des Blinden Traum: Die geben
einem die Haut, die obendrauf schwimmt
auf den Bildern. Doch kann dieses
Stumpfe, leichte Scheinen nicht in Festig-
keit dauern: es macht ein kurzes Glück,
das ist wohl wahr.
Wer rupft mich da, wo mir kein Haar
gewachsen ist, innen an meiner Hand?
Der kennt die Kunst der ganz besonders
feinen Griffe. Wenn ich vor solchen Nö-
ten „aua“ schreie – das sieht dem Geist,
den ich begreife, ähnlich.

Will ich denn dort die treuen Gewißheiten
finden, wo sie gekonnt verschwinden wie
Feuer in brandendem Wasser, wie Tau
von der Sonne?
Immerhin, ich kenne niemand, mag er
noch so klug sein, der nicht gern erführe,
was diese Geschichte von den Ihren for-
dert und was an guter Lehre sie geben
will. Was das betrifft, ist sie ganz unbe-
kümmert: mal flieht sie, mal stürmt sie
nach vorn, sie zieht sich zurück, sie kehrt
sich um; die einen stürzt sie in Schande,
die anderen hebt sie empor. Wer da noch
mithalten kann bei sämtlichen Kadenzen,
den hat die Weisheit lieb – das ist der, der
sich nicht verhockt und nicht verrennt, er
macht was andres: Er versteht sich drauf.
Ein Mut, der an den Seinen zum Ver-
räter wird, ist gut fürs Höllenfeuer und
ist ein Hagelschlag für allen hohen Wert
und Adel. Seine Treue hat einen allzu kur-
zen Schwanz: So konnte sie nicht einmal
jeden dritten von den Stichen rächen, als
sie ins Holz fuhr mit den Schnaken.
Wenn ich hier mancherlei Dinge aus-
einanderklaube, so spreche ich nicht al-
lein von Männern. Auch den Frauen
stecke ich die Bahn ab: Die aufpassen
will, wenn ich ihr rate, wird dann wissen,
wohin sie zielen soll mit ihrem Glanz und
ihrer Ehre, und auch, für wen sie nachher
ihre Liebe und ihren Adel bereithalten
soll,

so dass ihre Keuschheit, ihre Treue sie
nicht reut. Vor Gott bitte ich darum, dass
die guten Frauen Modestia in ihr Gefolge
nehmen möchten. Schamgefühl schließt
alle guten Sitten in sich ein: Es ist nicht
nötig, ihnen noch mehr und anderen Segen
zu erbitten. Eine Verräterin erwirbt sich
verräterischen Ruhm. Wie treu ist denn
dünnes Eis in der augustheißen Sonne?
Genauso zergeht auch ihr Lob sehr schnell.
Die Schönheit vieler Frauen wird weit
und breit gefeiert. Wenn aber das Herz
bloß nachgemacht ist, dann lobe ich sie
so, wie ich ein Stückchen Glasfluß, in
Gold gefasst, zu loben schuldig wäre. Es
ist kein leichtes Ding, so meine ich, wenn
man in schwaches Messing den edlen Ru-
einfasst und alle Wunder, die er hat -
dem vergleiche ich die Seele einer rechten
Frau. Eine, die ihr Frausein in der rechten
Weise lebt, deren Farbe will ich nicht prü-
fen und nicht ihres Herzens Decke, die
man sieht. Wenn nur das innen in der
Brust sich sehen lassen kann, so wird ihr
Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.
Müßte ich nun Weib und Mann vor
euch prüfen, wie ich es wohl kann,
dann kämen wir mit Reden lange nicht zu
einem Ziel. Hört lieber, was es mit dieser
Geschichte auf sich hat: Sie wird euch
Glück und Leiden zeigen,

Freude geht mit ihr und Angst. Stellt euch
nun vor, ich einer wäre drei, und jeder
einzelne von denen hätte so viel Kunst, wie
ich alleine auf die Waage bringe: Man
müßte dazu noch wilde Erfindung tun,
bevor sie es versuchen könnten, euch zu
berichten, was ich ganz alleine euch be-
richten will – den dreien würde es sauer
werden.
Eine Geschichte will ich euch neu vor-
tragen, die erzählt von großer Treue, von
weiblichem Weibestum und von eines
Mannes Mannheit, die so gerade war, dass
sie sich vor Gewalt nie bog: Da hat sein
Herz ihn nicht enttäuscht. Er war ein
Stahl in jedem Streit, wo immer er auch
hinkam. Seine Hand hat mit dem Recht
des Siegers manche Ehre und viel Ruhm
an sich genommen; kühn und spät erst
weise war der Held, den ich so begrüße.
Süßigkeit in Frauenaugen, doch Siechtum
in ihren Herzen war er und eine wahre
Zufluchtstätte vor dem Bösen. Den ich
hier im Auge habe, der ist von der Ge-
schichte her noch ungeboren, von dem
man diese Abenteuer sagt und die vielen
Wunder, die da geschehen werden