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Notizen zu Biographien von Hartmann v. A. – Gottfried v. Str. – Wolfram v. E.

Hartmann von Aue (1160 – 1210), der älteste der drei großen höfischen Epiker der Stauferzeit genoß eine klösterliche Schulbildung. Er schrieb als erster – nach dem Vorbild des Franzosen Chretiens – um 1185 eine erweiterte Fassung des Artusromanes „Erec” in mittelhochdeutscher Sprache. Außer zwei Artusromanen verfasste er die Legendenerzählungen „Armer Heinrich „ und „Gregorius”, dazu noch eine Reihe von Minneliedern und eine „Minnelehre”. Hartmann v.A. war ein glänzender Rhetoriker; er ist der erste „Klassiker” der deutschen Literatur. – Seine Auftraggeber sind nicht bekannt; man vermutet aber, dass es Staufer, Welfen oder Zähringer waren.
In der Regel wird von Forschern die besondere „Christlichkeit” der Figuren in den Werken Hartmanns von Aue hervorgehoben. Obwohl er selbst am Kreuzzug 1189-90 teilgenommen haben soll, darf man dennoch – entgegen anderer Meinung – die konstatierte „Religiösität” in seiner Dichtung durchaus anzweifeln; nicht zuletzt auch im Rückgriff auf die radikale Kritik Wolframs von Eschenbach am theologisch verfehlten Konzept seines Dichterkollegen. – Nicht zuletzt deswegen kam es zum heiß diskutierten Literaturstreit des 12. Jahrhundert zwischen Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg, welcher Hartmann im Literaturexkurs seines „Tristan” (Tr.4631ff.) zu verteidigen suchte. Um es zugespitzt zu formulieren: Hartmann hat m.E. aus den Überresten einer praktisch und theoretisch unbrauchbar gewordenen Kreuzzugsideologie christliche Motive, wie das Eva –, Paradies-, Auferstehungsmotiv u.a. aufgenommen und sie den Figuren seiner maere auf unangemessene Weise appliziert.
Das mag zwar „gut gemeint” gewesen sein; kann aber auch eine künstlerisch/ literarische Reaktion auf die pervertierten Machtverhältnisse zwischen Kirche und Staat, Kaiser und Papst gewesen sein, womit diese Dichtung einen wirklichen Sachverhalt entspricht. Das Papsttum erreichte im 12. Jahrhundert den Gipfel seiner weltlichen Machtbefugnisse. Es maßte sich an, Könige und Kaiser nach Gutdünken ein- oder abzusetzen. Hartmanns theologisch/ literarisches Konzept kann daher auch ein Reflex sein auf den degenerierten Machtanspruch einer Institution, deren Stifter vor Pilatus zu Protokoll gab: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt”.
Beim Studium des Erecromanes kann man sich leicht davon überzeugen, dass die „christliche Haltung” der literarischen Figuren Hartmannsin v.A. in Wahrheit nichts mit der Lehre des Christentums bzw. einem christlichen Gottes- bzw. Menschenbild zu tun haben; vorausgesetzt, dass man sich auskennt, was das Christentum betrifft! Die Einschätzung Wolframs und seine Kritik kann daher nicht überraschen.

Gottfried von Straßburg ist neben Hartmann von Aue und Wolfram von Eschenbach der dritte der großen höfischen Dichter der Stauferzeit. Gottfried selbst war kein Ritter, sondern ein gelehrter Bürger aus der Oberschicht seiner Vaterstadt. Er schrieb in den Jahren 1205-15 das höfische Versepos „Tristan”. Das Werk selbst blieb unvollendet.
In seiner Dichtung hat die Minne den höchsten Stellenwert und wird als letzter Sinn des menschlichen Daseins in der Welt betrachtet. Sie wird dargestellt als unzertrennliche Verbindung von Liebe und Leid , von Leben und Tod. Der dichterische Stil Gottfrieds v. Str. ist elegant, anmutig, spielerisch, musikalisch.
In seinen Intentionen und im Stil ist er der große Gegenspieler zu Wolfram von Eschenbach, den er im Literaturexkurs seines „Tristan” wegen seiner dunklen Sprache heftig tadelt, während Hartmann von Aue gelobt wird. Man nimmt in der Forschung an, dass Wolfram von Eschenbach mit Sicherheit in irgendeiner Form auf diese Kritik geantwortet haben muß. Es wurde auch allgemein bemerkt, dass der Parzivalprolog Anspielungen auf den „Erec” enthält, ist aber nicht auf die Idee gekommen, man könne die Antwort Wolframs als ironische Metaphern (als Isolde- und Enite-Kritik!) oder als böse Erec- Satire – verkleidet in der Form eines Rätsels – im Parzivalprolog selbst finden.

Wolfram von Eschenbach (1170-1220), entstammte einem mittelfränkischen Ministerialengeschlecht. Seine dichterischen Hauptwerke sind der „Parzival” - vollendet um 1210 – und der „Willehalm”, der ihm ein Jahrzehnt später folgte. Dieses zweite Epos – sozusagen die Fortsetzung des „Parzival” – blieb unvollendet. In seiner Spätzeit entstanden die Titurellfragmente mit der Geschichte der Gralsfamilie. Von seinen Liedern sind nur wenige – meist Tagelieder – überliefert.
Wolfram nennt den Grafen von Wertheim seinen Herrn; man weiß dass auch der Landgraf Hermann I. von Thüringen zu seinen Gönnern und Auftraggebern gehörte.
Wolfram v.E. ist unter den mittelhochdeutschen Dichtern der revolutionärste. Sein literarischer Stil ist im Verhältnis zu den Vorgängern nicht nur „eigenwillig”, sondern völlig anders und neuartig, wie sich in aller Deutlichkeit am Parzivalprolog belegen lässt. Obwohl er sich in seinen Romanen stets an die vorgegebene Form der Artusromane hielt, zielt ihr eigentlicher Sinn – durch den Schleier der neuen literarischen Form auch als Inhalt verdeckt – zum Teil in eine ganz andere Richtung als bei den Dichterkollegen.
Die große Frage seiner Zeit war es, wie man in der Zerrissenheit der politischen und religiösen Situation (Kampf zwischen Papst- und Kaisertum) als Christ leben könne. Das Scheitern der Idee des „Hl. Römischen Reich deutscher Nation”, der Abgesang für die Kreuzzüge einschließlich ihrer Ideologie, die innere und äußere Bedrohung durch den Islam führten zu der Frage, wie eine ritterlich Existenz in dieser zerissenen Welt mit dem Heil der Seele in Einklang zu bringen sei, um das irdische und jenseitiges Ziel als Christ nicht zu verfehlen.
Wolfram ging es in seinem Roman nicht etwa um Erneuerung einer politischen Idee (Reichsidee) , wie man ihm gelegentlich unterstellt hat, sondern um den Entwurf eines christlich/ trinitarischen Menschenbildes in der politisch, militärisch, gesellschaftlich und religiös total verfahrenen Situation des 12./13. Jahrhunderts.
Mit ausschließlich literarischen Mitteln macht er sich zum Protagonisten und Apologeten der Trinitätslehre, nicht dadurch, dass er sich philosopisch oder theologisch mit irgendwelchen Gottesvorstellungen oder Gottesbeweisen befasst. Ihn beschäftigt die Frage, wie eine christliche Existenz nach göttlichem Heilsplan („Lasset uns den Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnis”, Genesis) als „dreifaltige” Existenz in der höfischen Welt möglich sein könnte. Das exemplarische Konzept einer trinitarisch geprägten Existenz entwirft Wolfram im Kampf mit dem Unglauben in den eigenen Reihen und dem Unglauben in Gestalt des Islam.