Würfelwörter und Rätselbilder im Parzivalprolog
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Wolframforschung


Forschungsergebnisse als Thesen zur Diskussion

  1. Der Parzivalprolog hat die Form eines Erlösungsrätsels. In literarischer Form, wird schon im Eingang und Elsterngleichnis des Prologs das Grundproblem einer christlichen Existenz in der Welt – nämlich die Entscheidung zwischen Freiheit und Unfreiheit, zwischen gut und böse – bild- und beispielhaft dargestellt. Die implizit gestellte Frage wird auf dem Hintergrund christlicher Lehre umgehend so beantwortet: „der mac dennoch wesen geil: wande an im sint beidiu teil, des himels und der helle” Pz.1.7-9). Das menschliche Herz (des Helden) ist die Sinnmitte des Textes, nicht der zwifel.
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  2. Der Prolog ist – weiterhin unter dem Schleier des Rätsel verhüllt – keineswegs nur formale Auseinandersetzung mit Gottfried von Straßburg auf der Ebene eines bloßen Literaturgespräches, sondern primär eine radikale Kritik am verfehlten theologischen Konzept in der Dichtung Hartmanns von Aue, den Gottfried von Straßburg im Literaturexkurs anwaltlich verteidigt.
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  3. Das besondere Ziel seiner Kritik ist die Gestalt des „Erec”. Diese Figur überzieht Wolfram mit beißendem Spott, der radikaler nicht formuliert werden konnte. Man findet die Erec-Satire im Parzivalprolog in den Versen 2.15-22; vorausgesetzt, man erkennt – indem man seine „stiure” entrichtet - den durch Äquivokationen (als Stilmittel) „flüchtig” erzeugten Kontext vordergründiger Worte mit ihren hintergründigen Bedeutungen als dichterische Bilder.
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  4. In ironischer Form kritisiert Wolfram auch die Figur der „Enite”, die Partnerin Erecs, als „edlen Rubin im Blechrahmen” (in cranken messink verwurket edeln rubin! Pz.3.16-17). Seiner Ansicht nach parodiert Hartmann von Aue in dieser Figur auf blasphemische Weise die christliche Heilsgeschichte: Gott erscheint letztlich als Verursacher des Bösen. Der Vorwurf lautet: Gott hat Enite zu schön erschaffen, womit das Unheil in der Geschichte seinen Anfang nahm.
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  5. Hartmann von Aue war als Kreuzfahrer sozusagen ein Ritter-Dichter auf dem „Holzwege”. Wolfram verehrt und liebt ihn dennoch als suchenden Menschen. Seinen Irrtum „schmäht” bzw. verspottet er mit unglaublicher Härte und allen ihm zur Verfügung stehenden literarischen Mitteln (gesmaehet unde gezieret ist was sich parrieret unverzaget mannes muot” Pz. 1.3-5).
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  6. Mit Recht erkennt Wolfram im verfehlten theologischen Konzept seines verehrten Vorgängers die existentielle Bedrohung des christlichen Menschenbildes. Für ihn ist Hartmann der „falsche Prophet” im eigenen Haus. Seine „maere” bzw. Lehre ist in der höfischen Gesellschaft eine massive Bedrohung des christlichen Glaubens von Innen her. Sie entspricht durchaus der äußeren Bedrohung durch den Islam und seinen Propheten. - Die Gleichzeitigkeit der Angriffe von innen und außen ist besonders gefährlich.
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  7. Wolfram ist als Dichter zugleich Apologet, der mit literarischen Mitteln (!) sein trinitarisches Menschenbild gegen falsche Propheten verteidigt, ob sie nun der eigenen höfischen Gesellschaft angehörten oder äußere Feinde waren: Bei der Erec-Satire und Enite-Kritik im Prolog handelt es sich um eine beispielhafte Vorübung für die Auseinandersetzung mit den Lehren des Koran bzw. des Islam auf Romanebene.
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  8. Obwohl mittelalterliche Literatur, ist der Parzivalroman - einschließlich seines Prologs - für die gegenwärtige politische und religiöse Auseinandersetzung mit dem Islam hochaktuell. Die vorliegende neuartige Deutung des Prologs ist in dieser Hinsicht durchaus „zeitgemäß” und brisant zugleich: Sie entspricht in vielerlei Hinsicht den Realitäten des 12. als auch des 20. Jahrhunderts.
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  9. Überhaupt spielen die dem Text und dem Handeln der Personen zugrunde liegenden ‘Realien’ die entscheidende Rolle für das Verstehen des Romanes. Realitätssinn und Dinglichkeit dieses Prologtextes verweigern sich allen allegorischen Deutungsversuchen, auch dem Deutungsschema eines „vierfachen Schriftsinnes”
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